Die kleine Himmelsleitergeschichte 1/2018

„Aufstiege“ lautete das Thema beim Lichtkunstfestival der KulturRegion Stuttgart im Herbst 2016. Eine der Installationen, die nach Einbruch der Dunkelheit leuchteten, trug den Namen „Himmelsleiter“ und stand auf der Aussichtsplattform im Stuttgarter Weißenburgpark. Der Künstler Kurt Laurenz Theinerts aus unserer Stadt schuf eine etwa 8 m hohe Leiter mit abwechselnd blinkenden Sprossen. Dem Beobachter bot sich ein scheinbar chaotisch bewegter Zustand, der die eigenen Sinne an ihre Grenzen geraten ließ. Und am Ende der Leiter scheint es nicht mehr weiterzugehen. Wirkliches Aufsteigen, so der Künstler, sei nur dem möglich, der sich der Sphäre des Transzendentalen öffnet.
Die vor uns liegende Zeit ist geprägt durch die vielen Kerzen, Lichterketten und Weihnachtsbäume, die uns die Advents- und Weihnachtszeit verschönern sollen. Sehnen wir uns in der kalten und dunkeln Jahreszeit nicht regelrecht nach Licht und Wärme? Eine heimelige Atmosphäre und stimmungsvolle Melodien wirken wohltuend für Herz und Gemüt. Auch unsere Gottesdienste strahlen eine besondere Feierlichkeit aus. Doch was kommt danach? Was kommt nach der letzten Leuchtsprosse jener Himmelsleiter? Auch wenn im Januar die Krippen, Engel und Sterne wieder abgebaut und eingelagert sind, lohnt es sich, den Blick auf das Weihnachtsgeschehen, als Gott im Stall von Bethlehem Mensch wurde, im Gedächtnis zu behalten. So endet auch unsere Verbindung zu Gott nicht auf der letzten Leitersprosse und Gottes Nähe hört auch nicht mit dem Verschwinden des letzten Christbaumes auf. Schauen wir nach oben, so wie es im Hebräerbrief heißt: „Aufblicken auf Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens“. Wer IHM sein Herz öffnet, dem ist eine Beziehungzu Gott auch jenseits von Leiterende und Weihnachten geschenkt. Es lohnt sich.
Ich wünsche Ihnen beglückende Momente und gesegnete Stunden in der Advents- und Weihnachtszeit.

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 6/2017

© Württ. Evang. Landesverband für Kindergottesdienst e.V.

Mit der heutigen Geschichte möchte ich Sie nicht in irgendeinen verborgenen Winkel oder in eine unbekannte Nische führen. Heute will ich die bekannteste aller Himmelsleitergeschichten aufgreifen; nämlich die biblische Geschichte von Jakob, als er im Traum eine Himmelsleiter mit den ab- und aufsteigenden Engeln sah. Seither steht diese Leiter als ein Sinnbild für die Verbindung Gottes mit den Menschen. Die ganze Jakobsgeschichte ist überaus spannend und aussagekräftig. Sie eignet sich bestens als Thema für Freizeiten, Kinderbibeltage und Kinderkirchprojekte, weil hier sehr deutlich zum Ausdruck kommt, wie Gott einen Betrüger nicht fallen lässt und aus bösem menschlichem Tun entgegen unserer Vorstellung und unserem Gerechtigkeitsempfinden Gutes und Fruchtbares schaffen kann. Unser Bild stammt vom Landesverband für Kindergottesdienst zum Thema Jakob und die Himmelsleiter. Spüren Sie beim Anblick dieses Bildes vielleicht ein Kribbeln im Bauch, weil diese Leiter irgendwo zwischen Himmel und Erde schwebt und keinen sicheren Stand hat? Würden Sie sich auf eine solche Leiter begeben? Wir wünschen uns lieber eine stabile und gegen Umfallen bestens gesicherte Leiter. Außerdem sollte sie noch mit Sicherheitseinrichtungen wie bei einem Klettersteig ausgestattet sein, damit ein Abstürzen ausgeschlossen ist. Jakobs Traumleiter stand fest und keiner der Engel stürzte hinab. Träumen wir nicht auch von einer sicheren, stabilen und ununterbrochenen Verbindungsleiter zu Gott? Unsere Himmelsleiter ist unser Glaube, den wir uns doch stark und unverwüstlich wünschen. Aber leider müssen wir feststellen, dass er wankend und absturzgefährdet ist und häufig an einem seidenen Faden hängt – gerade so, wie auf dem Bild. Aber wir haben die Gewissheit, dass unsere Himmelsleiter entgegen unserer Befürchtungen bei Gott stets fest verankert ist. Und wir dürfen mit der Zusage Gottes rechnen, dass er uns nie fallen lassen wird. Selbst wenn wir uns im Sinkflug wähnen, werden wir nie tiefer fallen als in seine Hand. Eine gute Glaubensgewissheit!

Ihr Heiner Leiterle

Die kleine Himmelsleitergeschichte 5/2017

Die heutige Geschichte geht zurück auf die schwere Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als es allenthalben an dem Notwendigsten fehlte. Kinderbücher für die abendliche Gute-Nacht-Geschichte waren Mangelware. Aus dieser Not heraus sagte sich Ruth Jäckel: „Wenn es schon keine Kinderbücher gibt, dann schreibe ich selbst eines und male auch die Bilder dazu.“ Ihr kam die Idee zu einem Märchen mit dem Titel die Himmelsleiter.
Die kleine Monika wollte unbedingt wissen, wie es oben im Himmel bei den großen Wolken, der Sonne, dem Mond und den vielen Sternlein wohl aussehen würde. Und tatsächlich: Als sie abends in ihrem Bettlein lag und mit sehnsüchtigem Blick zum Fenster hinaus in den Himmel schaute, erblickte sie eine große goldene Leiter, die vom Himmel bis vor ihr Fenster herunter reichte. Sie nahm ihre Puppe in den Arm und stieg hinauf, bis ein Sternenkind sie an die Hand nahm und durch den ganzen Himmel führte. Nachdem sie sogar einen Blick in das Innerste mit der glanzvollen Helle werfen durfte, stand sie ganz allein frierend und ängstlich auf der Leiter. Gerade wollte sie Mutti rufen; aber da lag sie wieder in ihrem Bettchen und gewahrte noch, wie der Mond seine Laterne schwang und sich mit einem Lächeln von ihr verabschiedete.
Möchten wir nicht auch gerne wissen, wie es im Himmel aussieht und was uns dort erwarten wird? Wir Christen glauben an ein Leben nach dem Tod, das uns Jesus versprochen hat. Wenn wir uns ihm anvertrauen, wird er uns durch Gottes Gericht hindurchführen bis hinein in sein ewiges Reich. Dort werden uns keine Schmerzen, kein Leid und keine Sorgen mehr belasten. Es gibt eine Legende von zwei Mönchen, die einander geistlich und seelisch außergewöhnlich verbunden waren. Sie versprachen sich gegenseitig, dass der erste von ihnen, der in den Himmel kommt, dem anderen im Traum mitteilen wird, wie es dort aussieht. Dabei verabredeten sie die Sprachregelung: Wenn es im Himmel so aussieht, wie sie es sich vorgestellt hatten, dann sollte gesagt werden: „totaliter“ (genauso). Im anderen Fall: „aliter“ (ganz anders). So geschah es dann auch. Als der eine verstorben und im Himmel angekommen war, sagte er seinem Freund in dessen Traum nur zwei Worte: „totaliter aliter“.

Ihr Heiner Leiterle